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BOXEN HEUTE - Redaktion | 05.01.2016

WBA verteilt späte Weihnachtsgeschenke Feigenbutz vs. De Carolis um die "echte" WM

Kategorie: Boxen | Profiboxen
Die World Boxing Association (WBA) hat sich mal wieder selbst übertroffen. Um den Streit zwischen Vincent Feigenbutz und Felix Sturm um das Vorrecht auf die WM beizulegen, entschied sich der in Panama ansässige Verband kurzerhand für ein "Upgrade" der anstehende Titelkämpfe beider Boxer.

Feigenbutz_DeCarolis

Damit folgt die WBA der eigenen obskuren Logik, dass es in jeder Gewichtsklasse mehrere Weltmeister geben darf. An der Spitze steht der sogenannte "Super Champion", gefolgt vom "regulären" Weltmeister sowie gegebenenfalls noch einem oder auch mal mehreren Interims-Weltmeistern.

Ursprünglich war der Ehrentitel des "Super Champions" mal eingeführt worden, um herausragende Boxer auszuzeichnen, die Vereinigungskämpfe gewonnen oder eine Vielzahl erfolgreicher Titelverteidigungen absolviert haben. Mittlerweile scheint es jedoch keine Regel mehr dafür zu geben, wer "regulärer" Weltmeister und wer "Super Champion" ist.

Denn nachdem der ehemalige "Super Champion" Andre Ward, der diesen Titel zu Recht trug, da er im Rahmen des "Super Six" Turniers die WM-Gürtel von WBA und WBC vereinigt hatte, seinen Aufstieg ins Halbschwergewicht angekündigt hat, wurde kurzerhand der Russe Fedor Chudinov vom "regulären Weltmeister" zum "Super Champion" befördert. 

Chudinov ist ohne Frage ein guter Boxer, aber mit 14 Kämpfen (14 Siege) mit Sicherheit keine herausragende Lichtgestalt, der man eine Sonderehre zu Teil werden lassen müsste. Doch darum ging es der WBA in diesem Fall auch gar nicht. Grund der Beförderung Chudinovs war ein Streit zwischen Felix Sturm und Vincent Feigenbutz bzw. dessen Promoter Sauerland Event.

Sauerland hatte Feigenbutz unter obskuren Umständen zum "Interims-Weltmeister" gemacht. Dafür musste der 20-jährige Karlsruher lediglich den vollkommen zu Recht international unbekannten Mauricio Reynoso besiegen, der zu diesem Zeitpunkt laut "unabhängiger" Weltrangliste (boxrec) nicht mal unter den Top 200 der Welt stand.

Feigenbutz verteidigte seine "Interims-WM" durch ein skandalöses Fehlurteil gegen den Italiener Giovanni De Carolis und meldete danach Ansprüche an, den "regulären Weltmeister" Fedor Chudinov herauszufordern, der diesen Titel durch einen verdienten Punktsieg gegen Felix Sturm gewonnen hatte.

Da sowohl De Carolis (gegen Feigenbutz), als auch Sturm (gegen Chudinov) Rückkämpfe forderten, während Feigenbutz gleichzeitig den WM-Kampf gegen den Russen einforderte, stand die WBA vor einem durch ihre vielen Titel hausgemachten Problem, das sie nun auf ihre ganz eigene Art löste: Chudinov boxt am 20. Februar gegen Felix Sturm nicht mehr um die "reguläre" WM, sondern um den Titel des "Super Champions" - und die "Interims-WM" von Feigenbutz gegen De Carolis am 9. Januar wird dadurch kurzerhand zur "regulären" Weltmeisterschaft.

Das ist und bleibt zwar Etikettenschwindel und himmelschreiender Unsinn, ist nach WBA-Logik aber zumindest konsistent. Und am Ende sind alle zufrieden: Felix Sturm kann sich rühmen, noch mal "Super Champion" werden zu können, und Vincent Feigenbutz bekommt die Chance, jüngster deutscher "Weltmeister" aller Zeiten zu werden. Auch wenn man angesichts der obskuren Titelvergabe nicht mehr genau weiß, was das eigentlich heißen soll.

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